norbert walter peters
komponist • klangkünstler
Performance DIN-S-18, Basel 1988
  Über Performance:
   
2001

."Die Performance steht bis Anfang der
90er Jahre im Mittelpunkt von Peters'
Arbeit. Zum Beispiel Gravétti am
11. April 1989 in der Kölner Moltkerei.

'Papier, Kohlepapier, Tesafilm, Plastikfolie,
Steine, Vierkanthölzer, Elektrokabel,
Mullverband, Baumklötze,
Pappelrindenstücke, Holzbank,
Pappelzweige, welke Pappelblätter
eingetrockneter grüner Filzstift,
Autoreverse Walkman, Endlosspule
(Aufnahme Performance), Lautsprecher.'

Das sind die Ingredienzien von Gravétti.
Dauer gerade mal elf Minuten. Wieder
kommt der Hinweis, dass hiervon keine
echte Profiaufnahme existiert, die
Aufnahme immerhin ist Teil der
Performance und ist so professionell
wie sie innerhalb der Aktion gebraucht wird,
denn unmittelbar nach der Aktion wird
sie ... über den Resten eingespielt.
Die Aufnahme, das ist Peters Musik.
Sie legt Zeugnis ab von einem
anstrengenden, gelegentlich auch
wutschnaubenden Prozess; sie klingt nach
Schweiss, Arbeit, Agression, sie erzählt von
den geschundenen Materialien und lässt
auch ein wenig von der peinigenden
Antiprofessionalität ahnen. Der
schwergängige Atem des Kunstarbeiters
bildet eine Art Continuo. Die Klangspur
ist dem Prozess abgerungen. Zurück bleibt
ein Schlachtfeld, das nach einiger Zeit
abgeräumt wird. Das 'Werk', die
zurückliegende Aktion war von kurzer
Dauer; die zustandegekommenen
Frottagen werden als 'Ausstellung' recycled,
die Musik, der Mitschnitt ist Konserve ...

Ein anderer Haltepunkt ist in der Installation
die
Performance, die sich mit dem gedehnten
Augenblick der Klangkomposition
keineswegs verflüchtigt hat. Die Aktion wird
zum spirituellen Aufbau-Ritual, sie geht in
die inoffizielle Vorgeschichte der Installation
ein. Für
EKSIT war es das Ausbreiten des
Leinenstreifens, an dem der akustische
Weg entlang geführt wird. Er ist gleichsam
sinnerfüllt, mit gefühlter Energie geladen.
Der Aktionismus, das vorbereitende
Fundament der Klangräume, ist in letzter
Zeit immer häufiger ein schamanistisches
Ritual. Peters baut immer häufiger
esoterische Brücken in andere Welten.
Die Grundrisse seiner Räume basieren
oft genug auf geomantischen
Vermessungslinien. Solche Transzendenz
balanciert nicht selten auf dem schmalen
Grat zu esoterischem Strandgut. Doch ist
der Sinn nicht die Proklamierung wohlfeiler
Botschaften. Esoterische Energien:
spirituelle Lineaturen wäre besser, - sie
mögen Teil einer Geheimwissenschaft
sein, doch die schafft Ordnung.

Abgesehen davon steht Peters damit nicht
allein. Nicht zufällig beruft er sich immer
wieder auf Beuys, der ein moderner
Schamane war, oder auf Cage, der
die übersinnlichen Kräfte des Zufalls
zu nutzen wusste...

Auch dieses Klangbild (der
Klanginstallation Vasí-on - Tag- und
Nachstück für die Donaueschinger
Musiktage 1999 im Pavillon, Schloßpark)
für sechs Tapes beruht auf einem
Grundriss geomantischer Kraftlinien, die
in einem inoffiziellen
Nachtstück, einer
schamanistischen Performance
beschworen, ja geweiht wurden. Wer dabei
war, hatte durchaus den Eindruck, einer
peinigenden Indiskretion beizuwohnen.
Die offizielle Schau- und Hörsituation
bringt ein fragiles Gerüst verwischter,
unglaublich diskreter Klangmischungen
zu Tage ..."

"Ich transportier' Energie"
Ein Porträt des Komponisten,
Klangkünstlers und Musikers
Norbert Walter Peters
(Auszug)
von Reinhard Ermen swr Baden-Baden/
(KUNSTFORUM INTERNATIONAL)
Sendung: 28.07.2001 im Atelier Neuer Musik
des Deutschlandfunks KÖLN

performances
– texte –