norbert walter peters
komponist • klangkünstler
  Über ‚Imaginäre Partituren'
(intermediäre Formen auf Papier):
   
2002 Die Intermediären Arbeiten
(Imaginären Partituren): Vasí-on/
CavæTóna/ p'antrogramma/con'tinuo

sind seit März Bestandteile der
Kunstsammlung Dr. Werner Dohmen,
Aachen
. Die Sammlung umfaßt u.a.
Werke von Duchamps, Beuys, Paik,
Kuball, H. & B. Becher.
2001

"Wie fest Musik als ephemere Kunstform
in die Dualität von Ursache und Wirkung
eingebunden ist, das zeigt die Ausstellung
mit Arbeiten des ... in Aachen lebenden
Künstlers Norbert Walter Peters ...

Die Ursachen/Anlässe für eine Komposition
liegen selten in der Auseinandersetzung
mit musikalischen Phänomenen selbst.
Titel wie L'après-midi d'un faune oder
Bilder einer Ausstellung verweisen auf
Inhalte, die außerhalb der Musik als
Kunstform liegen und dennoch in der
künstlerischen Transformation mit
kompositorischen Mitteln eine Gestalt
gewinnen, welche das assoziativ
Bildnerische ihres Anlasses an
Eindrücklichkeit weit übersteigt. Die so
gewonnene Intensität greift tief in die
Erlebnisfähigkeit des Zuhörers ein,
evoziert individuelle Bilder oder Emotionen.

Mit diesen Gegebenheiten im
intermediären Bereich musikalischen
Schaffens hat sich der Komponist und
Klangkünstler Norbert Walter Peters ... in
seinen Arbeiten auseinandergesetzt. Ihm
geht es nicht um die Illustration dieser
Vorgänge, sondern um die künstlerische
Auseinandersetzung mit Ursache
und Wirkung kompositorischen
Schaffens.

'Imaginäre Partituren' nennt Norbert Walter
Peters die meist kleinfomatigen Arbeiten,
die in den Vitrinen der Werkstadt-Galerie Graz
präsentiert werden. Sie sind Bestandteil
der in Trilogien angelegten Arbeitsweise
des Komponisten. Jedes seiner Werke ist
gegliedert in eine Rauminszenierung, ein
Hörstück und eben jene 'Imaginären
Partituren'. Hier faßt Peters visuelle
Eindrücke von Raum, Landschaft und
bisweilen weit ausgreifenden zeitlichen
Dimensionen in präzise strukturierte
Darstellungen zusammen. So ist jedes
Detail in Position und Materialität mit
konkreten Bedeutungen aufgeladen. Die
oft scheinbar so disparaten profanen
Eindrücke, die Anlass für seine
künstlerischen Auseinandersetzungen
gewesen sein mögen, werden in den
'Imaginären Partituren' unter eben dem
Begriff der Imagination zu einer Einheit
zusammengeführt. Diese Partituren sind
die Literatur des Komponisten, nicht wie
üblich der Leitfaden des Interpreten. Der
Interpret/Instrumentalist als übermittelnde
Instanz wird hier übersprungen. Der
Betrachter/Zuhörer selbst wird zum
Interpreten."

Katalog
musikprotokoll 2001 im steirischen herbst
ORF Steiermark/steirisch(:her:)bst
Annette Siffrin/Christian Scheib/
Fränk Zimmer


"Die 'komponierten Aktionen' von
Norbert Walter Peters werden nicht nur
durch die dreidimensionale Disposition
im Raum geschaffen. Sie sind auch von
innen gestützt. Da ist zum einen die
mehrstimmige Anlage seiner tapes, da
sind zum anderen Bezüge auf
vorhandene Musiken, die über
rechnerische Verweissysteme und
andere Bezugnahmen auf die
Installationen bezogen werden; die
Fibbonacci-Reihe wäre eine solche
Brücke. Peters hat solche Brücken über
analoge Setzungen auch in
imaginären Partituren realisiert; sie
repräsentieren das Mittelstück seines
trilogischen Arbeitsprinzips. Das ist im
wahrsten Sinne "Augenmusik", das sind
graphische Notationen zum Sehen, die
im Rundfunk zu beschreiben das
sprichwörtliche 'erzählte Mittagessen'
wären. Doch als Ausgangspunkt für den
Hinweis auf die inneren, unsichtbaren
womöglich auch unhörbaren
Haltepunkte der Arbeit sind sie in diesem
Zusammenhang brauchbar."

"Ich transportier' Energie"
Ein Porträt des Komponisten,
Klangkünstlers und Musikers
Norbert Walter Peters
(Auszug)
von Reinhard Ermen swr Baden-Baden/
(KUNSTFORUM INTERNATIONAL)
Sendung: 28.07.2001 im
Atelier Neuer Musik
des Deutschlandfunks KÖLN

1993 "... Wie beim Lesen einer Partitur, der
üblichen Praxis zur Schärfung des
Inneren Ohres, soll hier eine
Imagination evoziert werden, die weit
über das Geschaute hinausweist ...
So gewinnt das in der Partitur fixierte
Werk auf einer spirituellen Ebene ein
weites Spektrum virtueller Realitäten
und hebt so das überkommene
musikalische Zeit-/Raumerlebnis auf.
‚Es involviert', wie Peters formuliert,
‚den Anschein einer Musik/Kunst von
aufgehobener Zeit'."

Annette Siffrin
positionen - Beiträge zur Neuen Musik
11.1993
   
1990

"Man sollte meinen, dass der leitende Begriff
dieser Gedankengänge, das Problem der
Abbildung, spätestens bei dem Klangkünstler
Norbert Walter Peters versagen muss. Aber
allein schon vom erkenntnistheoretischen
Standpunkt aus ist Musik ähnlich wie die
bildende Kunst dazu befähigt, ohne jede
funktionale Aufgabe an der schöpferischen
Gestaltung von Welt mitzuwirken.

Bei Peters tritt das Moment von Abbilden
in zweifacher Weise auf, nämlich in der
gleichzeitigen akustischen visuellen Übertragung
und Widerspiegelung einer Aktion, einer
Performance. Da die Geräusche mit der
organischen Welt entnommenen Materialien
erzeugt werden, ist die Performance selbst
bestens dazu geeignet, diese Transformierung
oder Widerspiegelung realer Gegebenheiten
in eine Art entmaterialisierte Realität leibhaftig
mitzuerleben.

Peters bereitet Performance-Partituren
konzeptuell vor und bespielt danach
Papierflächen, indem er sie mit divergierenden,
durchweg organischen Materialien wie
Kohlestückchen, Blättern, Asche, angefetteten
Staubkügelchen, Ton bearbeitet. Das
unterschiedliche, auch rhythmisch wechselnde
Agieren mit beiden Händen in Form von
Kratzen, Reißen, Wischen, Zerreiben, Tupfen
des Materials verursacht meist zweistimmige
Geräusche und drückt sich gleichzeitig als
schmutzige Spur auf dem Papier ab, so dass
man den Ablauf der Performance als
multimediales Ergebnis von gestischen,
akustischen und optischen Ein- und Abdrücken
erlebt.

Die beiden abbildenden Ergebnisse
gewinnen je eigene Qualitäten und können
daher später abgelöst von der Aktion einzeln
und unabhängig voneinander präsentiert
 werden; die Geräuschmusik ist auf einem
Tonband festgehalten, die optischen Spuren
lassen sich als bildkünstlerische Produkte
betrachten, sei es in Form von Graphik oder
Objekt. Leichter noch als es die ganzheitliche
Vorführung ermöglicht, lässt sich nun die
Struktur der komponierten Aktion als
interdisziplinäre Handlung überblicken. In
umgekehrter Richtung zu den übrigen Künstlern
überführt Peters den abstrakten Vorgang des
Komponierens und Musizierens in eine nahezu
materialisierte Gegenständlichkeit."

Abbilder
Kunst in der Welschen Mühle
Renate Puvogel
Aachen-Haaren August 1990

intermediäre arbeiten
– texte –