norbert walter peters
komponist • klangkünstler
´´
2009 beau son.ge - An Electric Fayerie

(opus 27)

radiophones Konzert

für: elektrisch modifizierte B-Klarinette
(Andrew Sparling, London GB),
elektrisch modifiziertes Violoncello
(Anton Lukoszevieze, Norfolk GB),
slap-E-Bass
(Adrian Kuban-Maruszczyk, Aachen D)
Perkussion
(Dirk Rothbrust, Köln D)
Tontechnik: Zuspielband/
Klangregie: Live-Aufführung
Jürgen Müller (Aachen D)
Tonband (E-Bass-E-Gitarre/Stimme)
(Norbert Walter Peters)

UA: MOUVEMENT

Festival für Neue Musik
AMERICAN DREAMS -
AMERIKANISCHE (T)RÄUME
23.05.2009
Live SR2 Kulturradio Saarbrücken
(Dauer: ca. 48')

beau son.ge ist ein (radiophon-)konzertantes
Musikstück, das das Tonspektrum von
E-Bass, verzerrter E-Gitarre und Männerstimme
mit den Klangeigenschaften von ‚Slap–Bass’-
Effekten und Perkussion sowie elektronisch
verstärkten bzw. elektronisch verfremdeten
‚konventionellen’ Streich- und Blasinstrumenten
konfrontiert.

Meine Intention geht dahin, Anleihen
des Funk-Rock und der Live-Elektronik
mit den Denkprozessen im Bereich der
Neuen Musik zu verschmelzen. In diesem
Sinne bleibt meine Komposition kompositorisch
fixiert und zusammengefasst unter dem
Oberbegriff minimalistischen Strukturdenkens.
Gleichzeitig ist das Stück rund 40 Jahre
nach dem Tod von
Jimi Hendrix, eine
Art Hommage an die große
Künstlerpersönlichkeit der späten
60er Jahre.

Es gibt vier horizontale Klang- und
Geräuschebene sowie vier
unterschiedliche – divergierende – Metren
in der strukturalen Anlage dieses
Stückes:
In der
Ebene 1 – Zuspielband - wird das
synchrone Singen, Flüstern oder
artikulierende Hauchen einer Männerstimme
der Tongebung eines E-Basses hinzugefügt,
welche zu einer Art Baustein zusammengefasst
sind. Aus der Überlagerung bzw. Montage dieser
kompositorischen Bausteine, die ein
Klangspektrum aus den Grundakkorden der
sieben Töne: C, Es, E, F, A, Bb, Ces
durchlaufen, ist ein dichtes polyphones
Muster bzw. ein durchlaufendes
Geräuschband im Studio gefertigt worden.

In der
Ebene 2 – Zuspielband – sind die ebenfalls
im Tonstudio aufgenommenen trance-beat-artigen
und dreistimmigen Pattern (Power Chords) der verzerrten E-Gitarre mit dem langgezogenen Gesang der Männerstimme, zu einem polyphonen
Muster bzw. zu einem weiteren durchlaufenden
Geräuschband verarbeitet und vervielfacht
(per Loop-Verfahren) worden.

Als Sprachmaterial wird auf ein Textfragment
von
Charles Baudelaire zurückgegriffen.
Baudelaire ist wie
Jimi Hendrix der ‚Flaneur’
zwischen den Stilrichtungen, außerdem beruft
sich dieses
Poème in seiner Anleihe auf
das Motiv des
Herzens, welches eine Art
Kernmotiv in meiner künstlerischen Arbeit
geworden ist:

„Il commande aux moissons de croître
et de mûrir/Dans le cœur immortel qui
toujours veut fleurir!“
(„In ihrem unsterblichen Herzen, das
immer blühen möchte,/befiehlt sie
[die Sonne] den Saaten zu wachsen
und zu gedeihen.“
(
Le Soleil, 1857)

Die
Ebene 3 als ein Teil der Live-Aufführung
verstärkt den minimalistischen Duktus dieser
Geräuschmusik des Zuspielbandes durch
signalhafte Einwürfe: funkygen’ Kantilenen und
Rhythmen von Perkussion (diverse hohe und tiefe
Trommel) sowie sogenannten Pizzikato-Pops und
Slap-Elementen des E-Basses.

Durch Live-Elektronik verfremdete Tonkaskaden
bilden die
Ebene 4. Ein Mix aus Violoncello und
B-Klarinette agiert dabei abwechselnd mit
Einschüben von Flanger-, Delay-, oder
Distortion-Modifikationen.
Hierbei agieren die Interpreten zum einen mit
dem Zuspielband als auch im Dialog – mit den
Musikern der
Ebene 3 – untereinander und
(er)schaffen somit gleichsam wiederum Raum
durch die Entwicklung von perpetuierenden Zeitfeldern.

Erläuterung des
Titels:
„beau son.ge - An Electric Fayerie“
-
son (frz.) der Klang/der Laut
-
sans G (frz.) Wortspiel – ohne den Ton G:
Anspielung auf die Benutzung der Tonfolge
C – Es – E – F – A – Bb – Ces
-
beau songe (frz.) der schöne Traum
-
Electric Fayerie (eng.) Anspielung auf
das Hendrix Album „Electric Ladyland“;
Wordspiel aus den Begriffen:
fay (englisch) - die Fee,
féerie (französisch) das Zauberstück,
Hendrixs Freundin und Muse in New York
war
Fayne Pridgeon, wurde aber Faye genannt.


Reaktionen/Meinungen
zu beau son.ge (Auswahl):

"Endlich habe ich heute die Zeit gehabt,
in der ich Ihre Stücke in Ruhe hören
konnte ... Sehr erfreut hat mich Electric
Fayerie. Eine Klanglandschaft, in der die
Gedanken geführt werden und doch
 herumwandern können und am Ende zu
Ihrem Ausgang zurückkehren. Die
Klangbildungen sind sehr subtil, ich
denke man darf auch sagen schön."

Prof. Dr. Helga de la Motte,
Musikwissenschaftlerin Berlin


"Es ist eine sehr schöne Arbeit."

Marcus Gammel,
DLR Kultur Berlin


"Es ist grossartig, das Stück von aussen
zu hören: eine sehr andersartige Erfahrung
als von innen! Ebenso wohltuend, aber
weitaus mehr entspannter..."

Andrew Sparling,
London


"Norbert Walter Peters ‚beau son.ge’
elektrisierte durch an Minimal-Musik
geschulten Klang- und Rhythmus-
Techniken.
Da wurde denn endlich auch die Seele
der Musik entdeckt. Die Zunahme an
Gefühl erweiterte die Ausdruckspalette
der Solisten um wichtige Tiefenregionen.
Das ließ Peters' fast einstündige Komposition
(und Christian Wolffs nachfolgende 'Edges')
zu aussagekräftigen Kunstwerken wachsen,
die mehr bieten als reinen Nervenkitzel.
So rundete sich das SR-Festival Mouvement
zu einem abwechslungsreichen und stilistisch
schillernden Einblick in eine Musikwelt, in
der sich Banales, Tiefgründiges, Hilfloses,
Ernsthaftes, Langweiliges und Mitreißendes
jederzeit die Hand reichten."

Peter Schroeder, neue musikzeitung


„ ... und besonders Norbert Walter Peters'
"beau son.ge" elektrisierten durch an
Minimal-Musik geschulten Klang- und
Rhythmus-Techniken.
Da wurde denn endlich auch die Seele
der Musik entdeckt. Das ließ Peters' fast
einstündige Komposition (und Christian
Wolffs folgende "Edges") zu aussagekräftigen
Kunstwerken wachsen, die mehr bieten
als reinen Nervenkitzel.“

Peter Schroeder,
Saarbrücker Zeitung


 
Ensemble Aventure  
     
2009 imphrontal - Miniatur

Kammermusik

für Streichquartett
Ensemble Aventure Freiburg
Friedmann Treiber (Violine 1),
Felix Treiber (Violine 2),
Jessica Rona (Viola)
Beverley Ellis (Violoncello)

UA:
ENSEMBLIA
Festival für Neue Musik Mönchengladbach
30 Jahre
22.05.2009
(Dauer: 4'35'')

„imphrontal“, was sich mit
Abdruck
oder
Spur übersetzen lässt, thematisiert
in seinem minimalistischen Duktus den
Aspekt der Befindlichkeit und Emotionalität
einer Person. Die Schichtung unterschiedlicher
Tempovorgaben – sogenannte
divergierende Metren –, geben dem
Musikstück eine gewisse Unschärfe im
zeitlichen Empfinden, ähnlich wie die
Unschärfe in der Oberflächen-Textur
eines informellen Bildes.

Reaktionen/Meinungen
zu imphrontal (Auswahl):

"Auch wenn die Faktur ähnlich ist, sind
die beiden Stücke ("beau son.ge" und
"imphrontal") doch sehr unterschiedlich.
Es ist wahrscheinlich der Gattung
geschuldet, dass das Streichquartett
sehr streng wirkt."

Prof. Dr. Helga de la Motte,
Musikwissenschaftlerin Berlin
 
Konzert in der Stadtgalerie Saarbru?Ncken
?
2005

nota.thión - die Klage des reuevollen
Herzens


(opus 24)

radiophones Konzert

für Bass-Querflöte/Traversflöte/Stimme
(Irmela Nolte, München), Viola/Viola
d'amore (Hariolf Schlichtig, München),
Tonband
UA: Stadtgalerie Saarbrücken, 13.10.2005
FORUM NEUE MUSIK - Live
SR2Kulturradio
Übernahme: Bayern2Radio 20.09.2006
(Dauer: ca. 48')

Diese radiophon-konzertante Komposition
konfrontiert den Geräuschcharakter von
Bass-Querflöte und Viola mit den
Klangeigenschaften von Traversflöte und
Viola d'amore. Insgesamt gibt es vier Ebenen,
welche die beiden Interpreten Irmela Nolte
(Flöte) und Hariolf Schlichtig (Viola) zur
Fertigung des Zuspielbandes im Studio
sowie als Live-Performance zu durchlaufen
haben:
In der ersten Ebene werden im Studio
aufgenommene trance-beat-artige und
hochfrequente, doppelgriffige Patterns der
Bratsche zu einem polyphonen Muster bzw.
zu einem durchlaufenden Geräuschband
verarbeitet und vervielfacht, welches
(Pappelbaum-)Rauschen oder/und
Zikadenzirpen suggeriert.

In der zweiten Ebene addiert sich die
geräuschhafte Tongebung der Bass-Querflöte
zu dem gleichzeitigen Singen, Flüstern oder
Hauchen der Interpretin in das Mundloch.
Verwendet werden drei Textfragmente
altorientalischer Sprachen: Altägyptisch,
Hurritisch, Akkadisch, welche drei
Anschauungen des HERZbegriffes im
evolutionären Prinzip von Leben, Tod und
Wiedergeburt widerspiegeln. Auch hier wird
wiederum aus der Überlagerung von
kompositorischen Bausteinen, zu welchen
diese vielfältigen Ton-, Hauch- und
Flüsteraktionen strukturell komprimiert sind,
ein polyphones Muster bzw. ein
durchlaufendes Geräuschband im Studio
gefertigt.

Die dritte und vierte Ebene als
Live-Performing verstärkt den
minimalistischen Duktus dieser
Geräuschmusik durch signalhafte
Einwürfe: Kantilenen, hochfrequente
Flageoletts und artikulative
Pizzikato-Elemente durchlaufen sechs
Tonketten in wechselnder Abfolge.
Gleichzeitig agieren die beiden Interpreten
im musikalischen Dialog zum einen mit
dem Zuspielband als auch im Dialog
untereinander und und kreieren eine
Plastizität, welche aus der Vielfalt der
fortlaufenden Zeitmuster entsteht.


Reaktionen/Meinungen
zu nota.thión (Auswahl):

"Die Arbeit ist sehr schön!"

Armeno Alberts, NL4 Hilversum


"Ich finde Ihre Arbeit interessant."

Laurent Major, Radio Canada
Zmira Lutzky, IBA Jerusalem


"Ich freue mich, dass Sie die
Gelegenheit hatten, diese Komposition
radiophon zu inszenieren, denn
tatsächlich funktioniert der Entwurf in
zweifacher Hinsicht: einmal als konkrete
Arbeit mit den Lauten der Stimme in
einer stetig bewegten Klangarchitektur
mit all ihren tonalen Nischen, linearen
wie flächigen Details und geräuschnahen
Strukturen, andererseits aber auch als
Klangumgebung, fast im Sinne des
Ambient, die man einfach da sein lassen
kann und in der man sich dann als Hörer
in einer gleichförmig bewegten Welt aus
Klängen, Rhythmen und Geräuschen
wieder findet."

Andreas Hagelüken, RBB Berlin


"Ich fand es ganz faszinierend."

Jesper Lützhöft
Danish Radio Klassisk


"Eine schöne Produktion."

Dr. Götz Naleppa
Deutschlandradio Kultur Berlin

   
Anton Lukoszevieze, Ruth Geiersberger, Dirk Rothbrust (von links)
 
2001 con'tinuo I
(UA 14.12.2001 München)

Ars Acoustica-Performance (opus 19)
für Performerin (Ruth Geiersberger,
München), Violoncello (Anton Lukoszevieze,
Norfolk GB), Perkussion (Dirk Rothbrust,
Köln)

Als inhaltlicher Oberbegriff dieses Werkes
gilt die ANIMA. Gegliedert ist dieser
Oberbegriff wiederum in drei Teilaspekte,
welche die Inhaltsschichten der
Komposition verklammern:
1. das chinesische Orakel des I GING
(das Befragen der Seele/der ANIMA)
2. die Oper Orfeo von CLAUDIO
MONTEVERDI (der Verlust der ANIMA)
3. das Kreisdiagramm (der Figur S ANIMA)
des RAMON LLULL.

Wiederum Struktur- und formbildend ist die
Verwendung von 14 arithmetischen Reihen:
der Umwandlungen der Zahlenfolge 1 bis
64, wie sie die 64 I GING-Hexagramme
bieten sowie den Unregelmäßigkeitsfaktor
in der Reihenstruktur, der über ein
Losverfahren ermittelt wird.

Als
Handlung des 40minütigen
Konzertstückes fungieren sechs Bilder
bzw. Szenen, die ich aus dem I GING
ausgewählt habe - wenn eine Handlung
existiert, dann als eine abstrahierte
Form des Orfeo-Themas von Claudio
Monteverdi.
Die sechs Szenen - entnommen aus sechs
I GING-Hexagramen - lauten in der
entsprechenden Reihenfolge:
• I "Den Körper, den Raum entdecken;
eine Flut innerer Bilder."
• II "Die Achtung vor allen Lebensformen;
eine Handlung ohne Eigennutz."
• III "Das Vergehen und erneute
Emporwachsen aus der Mitte der Erde."
• IV "Die Spannungen lösen sich;
(der befreiende Regen)."
• V "Die Demut; - darf nicht zu einem
kriechenden Wesen werden; - sie
entwickelt sich vielmehr zu einem fest
verwurzelten Baum."
• VI "Stillstand: massive Schwere und
Unbeweglichkeit der Yang-Kraft;
Häutungs- und Befreiunsgprozeß der
Yin-Kraft."

Die Musik basiert auf einem
Quartsextakkord bzw. auf das
Anfangsthema der Arie: "Rosa del ciel,
vita del mondo" aus dem Orfeo. Der
VIOLONCELLIST und der
PERKUSSIONIST musizieren vornehmlich
auf einer Geräusch-/Klangebene (kratzen/ziehen/bewegen/schlagen): u.a wird
• Marimbaphon und Becken
mit Bogen und Weidenholz gestrichen;
• zwei Pauken mit einer Bürste angeschlagen;
• ein Violoncello in scordatura für
Doppel-Flageoletts verwendet.
Der Instrumentalpart ist in Notation fixiert,
wobei durch die Verwendung von einem
speziellen Typus von Fermate, welche sich
am Atemfluß des YOGA orientiert, das
Zeitmoment mitunter aufgehoben wird.

Orientiert habe ich mich an der
Generalbass- praxis (basso continuo)
der Monteverdi-Zeit:
• Bassfundament (geräuschhaft)
• Mittelstimmen (u.a. auch Trance-Beat des
Perkussionisten)
• Oberstimme (Töne im Frequenzbereich
zwischen 1000 und 4000 Hertz; intra-uterine
Klangwelt)

In ihrem teilweise improvisatorischen und
experimentellen, das heißt nicht in
herkömmlicher Notation fixierten Part hat
die PERFORMERIN Körpergeräusche
unterschiedlichster Art zu erzeugen: u.a.
• ein Zischen durch die Zähne;
• ein Wringen der Haut des Handgelenks;
• ein Erkunden der Resonanz des Knochenbaus.

Darüber hinaus strebe ich eine Verbindung/
Vermischung von Körpergeräusch und
Instrumentalgeräusch von Körperklang und
Instrumentalklang an. Die Musik von Cello
und Perkussion (im Anschluß an die
Performance mitunter auch synchron mit
der Performance in Szene III und VI) ist als
Kommentar zur Performance bzw. zu dem
vorgegebenen Thema des I GING zu
verstehen.

Der
Titel con'tinuo ist mehrdeutig und läßt
sich mit:
unablässig/stetig
mit Takt-/Feingefühl
ununterbrochen/vereinigend übersetzen.

Zur Uraufführung von con'tinuo in
Bayern2Radio 14. 12. 2001:

"Heute setzt Norbert Walter Peters sein
kompositorisches Schaffen mit der
Performance
con'tinuo fort - und es
interessiert ihn dabei das klanglich
höchstspannende Moment der
Tonerregung. Sie werden Geräusche
und Töne hören, die entstehen, wenn die
Performerin Haut auf Haut reibt; wenn
Körper auf Stein schlägt; wenn
Zahnschmelz an Mauerwerk kratzt. Ein
Trommelfell wird mit dem Fußnagel
bearbeitet; Marimbaphon und Becken mit
Bogen gespielt und einem Cello wird
Obertonkaskaden entlockt. Und es kann
vor allen Dingen Stille gehört werden ...
Mit der Hilfe der virtuosen Interpreten
Dirk Rothbrust, Anton Lukoszevieze
und Ruth Geiersberger, der Performerin,
erzeugt der Grenzgänger Norbert Walter
Peters heute abend vor allen Dingen eins:
Grenzwerte."

Jörg Stelkens, Kurator der

t-u-b-e, Galerie für Radiophone Kunst
München
zur Eröffnung der Live-
Übertragung des
Bayerischen Rundfunks
am 14.12.2001

"con'tinuo ist die radiophone Umsetzung
einer live aufgeführten Kammeroper für
Streicher, Perkussion, Alt und Bariton
sowie einen menschlichen Körper.
Instrumentalgeräusche, menschliche
Stimmen und ein Körper, der sich hörbar
im Raum bewegt, finden sich hier zu einer
Musik zusammen. Musikalisch und
dramaturgisch geht das Stück auf das
Orpheus-Thema zurück. Das
Anfangsthema der Arie "Rosa del ciel, vita
del mondo" von Claudio Monteverdi
(1567-1643) ist der Ursprung dieser
Klangkomposition, die in einem weiten
Sinne vom Loslassen des irdischen
Körpers erzählt."

Programmheft "Hörspiel/Feature"des
DeutschlandRadio Berlin, Januar - März
   
Dirk Rothbrust
 
  p'antrogramma
UA 02.09.2001 Bonn
)
Kammermusik
(opus 17)
für Perkussion solo

Diese Komposition habe ich dem in Köln
lebenden Perkussionisten Dirk Rothbrust -
u.a. Mitglied im
Schlagquartett Köln sowie im
K
ammerensemble Neue Musik Berlin -
nach der Fertigstellung im
April 2000
gewidmet. Dirk Rothbrust hat das fast 27
Minuten dauernde Werk in Bonn mit der
von mir gewünschten anfänglichen
performativen Nervigkeitüber einen
meditativenSchwebezustand zu einer
transzendenten Klangfülle geführt.

Bei der gemeinsamen Planung zu der
Arbeit haben wir auf ein umfangreiches
Instrumentarium zurückgegriffen:
• große Rahmentrommel (schlagen/mit den
Fingern streichen)
• Vibraphon (mit dem Bogen streichen)
• Becken (schlagen/mit dem Bogen streichen)
• indische Tablas
Klangschalen (streichen)
• chinesische Gongs
• Rasseln, Guiro aus Weide, Regenrohr,
• Holzblock
.
Mit dieser reichen Palette an Schlagwerk
können somit Klangereignisse in Szene
gesetzt werden, welche mitunter der
ethnischen Musik nahe kommen.
Diese Anleihe ist nicht zuletzt deshalb
gewollt, weil das Stück in seiner narrativen
Form Rückgriffe auf das
Tibetanische
Totenbuch
vornimmt (8. J.n.C. Bardo Thödöl -
Befreiung im Zwischenzustand durch Hören
):
einer Lehre des Übergangs vom Sterben
in einen Zwischenzustand, der schließlich
die Wiedergeburt zum Ziel hat.

Der
Titel p'antrogramma vielschichtig in
seiner Bedeutung, verweist u.a. auf den
Begriff des:
• anthro - griechisch der Mensch - und des
• antro - italienisch die Höhle - sowie auf die
• philosophische Formulierung des
Pantragismus den der Dramatiker
FRIEDRICH HEBBEL (1813-1863) benutzt
hat:
das tragische Weltgesetz vom Kampf
zwischen dem Einzelnen und dem Universum
.
konzertantes
imphrontal - Miniatur
nota.thión - die Klage des
reuevollen Herzens
radiophon-konzertant
con'tinuo
ars acoustica performance
p'antrogramma
Kammermusik für
Perkussion solo